NABU NEWS – aus Eutin und Umgebung

Abwärtsspirale für den Naturschutz
Planung für das "Lakeside" in Krummsee kennt keine Tabus

Es ist landauf, landab immer dasselbe Spiel: Aus einer großen europäischen Metropole macht sich ein finanzstarker Investor  auf in die deutsche Provinz, um dort ein Projekt zu verwirklichen, das der gesamten Region -wenn nicht sogar dem ganzen Bundesland- den längst überfälligen wirtschaftlichen Aufschwung bringen soll.

So trägt es sich aktuell auch in der Gemeinde Malente zu. In der dortigen Ortschaft Krummsee beabsichtigt ein Investor aus Hamburg, auf dem Gelände einer alten, längst zerfallen Klinik ein riesiges, architektonisch an eine Spirale erinnerndes Hotel mit dem wohlklingenden Namen zu verwirklichen.


Und natürlich sorgt eine solche verheißungsvolle Perspektive für reichlich Aufregung in der Kommunalpolitik. Schließlich darf der Investor nicht wieder vom Haken gelassen werden, denn es winken ja reichlich Steuereinnahmen und natürlich mehrere Arbeitsplätze.


Der wirtschaftliche Aufschwung der ansonsten chronisch klammen Gemeinde Malente soll nun also endlich Wirklichkeit werden.    
Und so kennt die nun von der Gemeinde Malente vorgelegte Bauleitplanung auch keine Scham, wenn es um den Umgang mit den Schutzgütern des Naturschutzes geht. Alles muss ganz offensichtlich den Interessen des Investors untergeordnet werden.


So soll zum Beispiel der Umfang der vollversiegelten Flächen mehr als verdoppelt werden. In den Planunterlagen heißt es dazu lapidar "die Bodenversiegelungen werden auf das notwendige Maß beschränkt". Da ein Teil des brachliegenden Klinikgeländes "revitalisiert" wird, sieht das beauftragte Planungsbüro den nach dem Baugesetzbuch normierten Anspruch eines sparsamen Umgangs mit Grund und Boden dann auch erfüllt.


Angesichts der Gesamtdimension des Vorhabens wirkt diese Aussage geradezu skurril.


Weiter sollen mindestens zwei geschützte Biotope in Mitleidenschaft gezogen werden: Zum einen soll für die Errichtung einer Fußgängerbrücke in die Allee "Rövkampallee" eingegriffen werden, sprich es sollen Alleebäume gefällt werden. Zum anderen ist vorgesehen, den auf dem Gelände befindlichen Steilhang durch die Errichtung von baulichen Anlagen in seiner Größe zu halbieren.


Und als wäre dies nicht schon genug ist die Anlage einer mehrere einhundert Quadratmeter großen Steganlag am Nordufer des Kellersees und damit ein Eingriff in das europäische Schutzgebiet "Seen des mittleren Schwentinesystems“ und Umgebung" geplant. Doch das ist immer noch nicht alles: Rund 1,5 Hektar - dies entspricht 15.000 Quadratmetern - Waldfläche sollen für die gigantische Anlage weichen.  
Das gesamte Planwerk liest sich aus Sicht  des Naturschutzes geradezu als Provokation.


Dabei könnte es doch auch anders gehen:  Mit einer Beschränkung der künftigen Bebauung auf das bisherige Maß ließen sich eine Reihe von Konflikten mit dem Naturschutz von vornherein vermeiden.


Quelle: NABU News – aus Eutin und Umgebung


Anmerkung der Redaktion: Wir danken dem NABU für die Genehmigung zur Veröffentlichung des Artikels.


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