Initiative Kellersee | 28.8.2024
Liebe Gemeindevertreter*innen
In sozialen Medien, z.B. in der Facebook-Gruppe Malente News, erhalten wir als Initiative Kellersee das Feedback, unsere Darstellung des Projektes auf dieser Website sei einseitig und würde die positiven Seiten ausblenden. Dieser Befund wird von dort aktiven Gemeindevertreter*innen vorgetragen.
Zunächst: Ja, dies hier ist die Plattform der Menschen, die die Planung in ihrer Dimension und ihren langfristigen Effekten für höchst problematisch halten und denen die öffentliche Kommunikation zum Projekt bisher zu undifferenziert befürwortend war.
Ferner: Auch die Mitglieder der Initiative Kellersee wünschen sich einen abwägenden und differenziert argumentierenden öffentlichen Diskurs, jedoch zuallererst von den Wissens- und Entscheidungsträger*innen (Gemeindevertretung, Bauauschuss, Bürgermeister, etc.). Insofern sind Initiative Kellersee und die angesprochenen Gemeindevertreter*innen in diesem Punkt voll auf einer Linie.
Das Projekt Lakeside Resort ist qua Volumen ein Politikum. Es kann nicht nur als normales „privates Bauvorhaben“ betrachtet werden, das wäre naiv. Die Grundfrage ist, welche sog. Entwicklung für die Gemeinde und die Region damit angestoßen wird. Und welche ihr nach dem Baugesetz zustehende, gestaltende oder eingreifende Rolle die Gemeinde einnimmt und von der wir, die Initiative, bisher nichts wahrnehmen.
Nichtsdestotrotz: Lakeside-Dialog heißt nicht umsonst so.
Wir veröffentlichen hier gern auch die Ansicht gewählter Gemeindevertreter*innen oder anderer am Verfahren beteiligter Personen, die einen Zugewinn an Informationen liefern können.
Insbesondere wären wir sehr dankbar für Ihre Ansicht und fundierte Darstellung zu den folgenden möglichen Plus-Punkten des Projektes, die wir bisher mangels vorliegender Informationen nicht abdecken konnten:
Im Rahmen der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung im Nov. 2023 wies die Darstellung des Vorhabenträgers folgende Steuereinnahmen aus: „Erhöhung Steuereinnahmen: Bei einem Investitionsvolumen von 180 Mio. etwa €40 Mio. für die Realisierung und rund €200 Mio. für die ersten 20 Jahre Pacht.“
Unsere Fragen an Sie:
Ist diese Höhe nach Ihrer eigenen Prüfung realistisch? Welcher Anteil davon landet nach Ihrer eigenen Prüfung tatsächlich bei der Gemeinde?
Dieser Posten ließe sich gut zusammen mit anderen Einnahmen folgendermaßen aufschlüsseln:
Bitte legen Sie eine Information über die geplante Bettenzahl zugrunde und treffen Sie (gern gemeinsam mit dem Vorhabenträger) plausible Annahmen zur minimal notwendigen, durchschnittlichen und kapazitär maximalen Auslastung und den daraus ungefähr resultierenden Einnahmen für die Gemeinde. Gern auch gegengerechnet mit ggf. für die Gemeinde anfallenden Kosten.
Ja, das ist für einige Menschen gerade in Krummsee eine mit dem Projekt verbundene Hoffnung und auch für die an Lost Places reich gesegnete Gemeinde ein wichtiger Treiber.
Dankbar wären wir (sowie Malenter*innen, Sielbecker*innen, Krummseer*innen) für folgende Auskünfte:
Ja, die Holsteinische Schweiz wird auf der Karte der bisher weniger adressierten Luxus-Klientel auftauchen und auch noch stärker in den Fokus von Wochenendtouristen aus HH rücken. Als Brückenkopf für die zu erwartenden vermehrt skandinavischen Gäste nach Fertigstellung der Belt-Querung könnte das Resort eine Rolle spielen. Und sicher: Mit den geplanten gastronomischen Angeboten entstehen attraktive, qualitätvolle und höherpreisige Anlaufpunkte auf dem Gelände, die die Region bisher so nicht bieten konnte. Wahrscheinlich bringt das Resort eigene Shopping-Möglichkeiten und neue Dienstleistungen (Kosmetik, Wellness, Co-Working usw.) mit, die Malente und Umgebung aufstocken.
Jedoch: Aus den vielen Zuschriften, die uns täglich auch von Stammgästen erreichen, spricht eher die Sorge vor einer drastischen charakterlichen Veränderung der Holsteinischen Schweiz, Ausgangspunkt Lakeside Resort. Sie suchen Ruhe, Erholung und Unberührtheit. Diese lassen sich nicht in industriellem Maßstab konsumieren, wie es das Projekt anzubieten versucht. Das Lakeside Resort hebt diese auf.
Teilen Sie bitte Ihre Ansicht zur zukünftigen Ausrichtung der Tourismusregion Holsteinische Schweiz und den strategischen Zielen der geplanten Ansiedlung. Beziehen Sie bitte das zweite, in der Pipeline des Bauausschusses befindliche Apartment-Projekt Lake Resort (ehemalige Schwesternheime, Rövkampallee) mit seinen 80 Einheiten (nicht: Betten) ein. Welche touristische Transformation planen Sie hier insgesamt für die Nordseite des Kellersees?
Welche positiven Effekte erwarten Sie für die Malenter Innenstadt? Zur Erinnerung: Seit Eröffnung des anderen Leuchtturms „Gut Immenhof“ ist die Entwicklung der Innenstadt weiterhin rückläufig. Es hat sich kein einziges neues stationäres Geschäft entwickelt, allerdings vertreiben einige lokale Hersteller direkt im Immenhof-Shop. Ein Indiz dafür, dass sich Leuchtturmprojekte und Bahnhofstraße nicht ohne weiteres Synergien liefern. Der Markt mag das vielleicht regeln, hat er aber bisher nicht. Und das Lakeside Resort liegt noch weiter entfernt, außerhalb der Flanierreichweite.
Bitte plausibilisieren Sie diesen möglichen Effekt an Hand eines existierenden Beispiels in Schleswig-Holstein o.ä.: Wo hat ein Luxus-Resort eine Innenstadt belebt?
Die Zielgruppen von Lakeside Resort und Malenter Riviera mögen weit genug auseinander liegen, so dass sich beide Angebote in Bezug auf die Auslastung nicht kannibalisieren. Im Kampf um Servicekräfte hingegen hat das Betreiberkonzept bereits angekündigt, lokale Arbeitskräfte zu werben, aufzuschulen und im Resort zu beschäftigen. Wie finden das eigentlich die lokalen Gastronomen?
Liebe Gemeindevertreter*innen:
Falls wir mögliche Pluspunkte vergessen haben sollten: Ergänzen Sie diese gern mit Ihren fundierten Ausführungen.
Schreiben Sie uns unter post@lakeside-dialog.de. Wir veröffentlichen Ihre belegbaren Ansichten gern, denn wir vermissen sie.
Falls auch für Sie noch wichtige Fragen offen sind, Sie sich von den Planungen in besonderer Weise betroffen fühlen oder einfach mal Ihre persönliche Sicht teilen wollen: Schreiben Sie uns.