Jan Sonnenberg | Krummsee | 25.9.2024

Ein Leuchtturm über dem Kellersee?

Seine Befürworter kommen immer wieder darauf zurück: Das Lakeside Resort wird ein "Leuchtturmprojekt" für die Region. Es verspricht der Gemeinde Malente "weitreichende Sichtbarkeit", "Strahlkraft" oder sogar "Glanz". In der nautischen Metapher wird jeder auf seine Weise fündig. Leuchttürme sind ja grundgut und sympathisch.


Eine weitere Leuchtturm-Lesart liefert der Vorhabenträger. Er präsentiert das Lakeside Resort als "leuchtendes Vorbild" – und zwar im Sinne der Landestourismusstrategie bzw. des Koalitionsvertrags der amtierenden Landesregierung. Es lohnt sich, einmal genauer darauf zu schauen, steckt hierin doch die ganze Politikverkaufe. Erinnern wir uns: Das CDU-geführte Landesinnenministerium in Kiel soll einer Flächennutzungsplanänderung mitten im Landschaftsschutzgebiet Holsteinische Schweiz zustimmen.


Der Reihe nach.


Die Landestourismusstrategie 2030, aufgestellt vom CDU-geführten Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus, definiert für unser Land folgendes Problem:


"Insbesondere an der Küste, sind die Grenzen des quantitativen Wachstums – zumindest zu saisonalen Spitzen – erreicht. [...]  In anderen Regionen, insbesondere im Binnenland, gibt es noch eindeutige ganzjährige Wachstumspotenziale. Dem Binnenlandtourismus fehlt es bislang an ausreichend Nachfrage. Diese gilt es u.a. mit Investitionen, professionellen Strukturen, Infrastrukturmaßnahmen, Produkten und Kommunikation zu fördern." (S. 24 in der Landestourismusstrategie 2030)


Der schwarz-grüne Koalitionsvertrag aus 2022 ergänzt:


"Tourismus und touristische Leuchtturmprojekte können im Binnenland künftig einen noch größeren Beitrag zur regionalen Wertschöpfung und Lebensqualität leisten und Motor der ländlichen Regionalentwicklung sein. [...] Um eine ganzheitlich regionale Wachstumsdynamik auszulösen, wollen wir gezielt kommunale und betriebliche Leuchtturmprojekte (Initialinvestitionen) ansiedeln." (S. 175)


Wir können hier vollkommen dahingestellt lassen, ob wir diese Problemdefinition sowie den Lösungsansatz in Form von "Leuchtturmprojekten" teilen. Interessant ist jedoch, wie präzise die Marketing-Texter des Vorhabenträgers den Wortlaut der Landespolitik bedienen, nachzulesen im Betreiber- und Nutzungskonzept vom 10.04.2024:


"Mit dem Lakeside Resort plant die Hadi Teherani Resorts GmbH ein Leuchtturmvorhaben für den Binnenlandtourismus Schleswig-Holsteins."

"Die Resortanlage ist überwiegend für die ganzjährige gewerblich touristische Vermietung an Leisure- und Businessgäste konzipiert."

"Für die Gewährleistung einer hohen Auslastung an Werktagen der Nebensaison hält das Resort Event- und Konferenzflächen bereit."

"Ein „Workation“-Tarifmodell ermöglicht einen preiswerten Aufenthalt unter der Woche, um das überdurchschnittliche Auslastungsziel in der Nebensaison zu erreichen."

"Insbesondere in der Nebensaison ermöglicht der Erholungsbereich eine hohe touristische Auslastung."

"Durch seine Kurs- und Veranstaltungsräume spricht das Resort auch Unternehmen und Ihre Mitarbeiter an. Individuelle Angebots- und Erlebnispakete können geschnürt und vermarktet werden [...] Auch diese Maßnahmen dienen der Auslastungserhöhung in der Nebensaison."


Machen wir uns klar: Was wir hier lesen, ist nicht weniger als das Versprechen an die Landesregierung, einen Proof of Concept, also einen Machbarkeitsbeweis ihrer Tourismusstrategie zu liefern. Das Lakeside-Resort soll möglichen weiteren Investoren erstmalig zeigen: Im schleswig-holsteinischen Binnenland ist eine ganzjährige Bettenauslastung möglich, wenn man denn nur ein zeitgemäßes Produkt anbietet und genug Geld in die Hand nimmt. Krummsee wird damit zum tourismuspolitischen Realexperiment. Was hier gelingt, gelingt bestimmt auch anderswo in Schleswig-Holstein. Und sollte nicht das der Landesregierung einen Flächennutzungsplan wert sein, der eine Sonderzone Kur kurzerhand in fünf Sonderzonen für Tourismus, Gastronomie, Hotel und Wohnen (Mitarbeiter) umwandelt? Mitten im Landschaftsschutzgebiet?


Liebe schwarz-grüne Regierungskoalition: Sind Sie sich sicher, dass das auf dieser Website gründlich beschriebene Bauprojekt der Leuchtturm ist, den Sie sich wünschen? Muss Ihr Leuchturm mitten in das Dorf Krummsee gerammt werden, zwei Betongeschosse tief? In Stadiondimensionen? Biotope beschneidend? Wald vernichtend? Mit anderthalb mal so vielen Betten wie unser Dorf Einwohner hat? Mit viermal so vielen Tagesgästen? Mit ausufernden Verkehrsproblemen?


Und reichen Ihnen, um dies verantwortungsvoll zu entscheiden, die Marketing-Texte eines Vorhabenträgers?


Einleuchten würde mir das jedenfalls nicht.


Was denken Sie?

Falls auch für Sie noch wichtige Fragen offen sind, Sie sich von den Planungen in besonderer Weise betroffen fühlen oder einfach mal Ihre persönliche Sicht teilen wollen: Schreiben Sie uns.