Marie-Luise Matz | Krummsee | 14.9.2024
Der Artikel ging nun schon vor geraumer Zeit durch die Presse, doch die Wortwahl der 'Befürworter'? und Entscheidungsträger musste erst einmal verdaut werden.
In dem Artikel von D. Schneider macht BA-Vorsitzender J. Redepenning den Anfang. „in der Regel wird kein Vorhaben dieser Größenordnung eins zu eins umgesetzt. Es wird noch Veränderungen geben.“ Versteckt sich dahinter ein schlechtes Gewissen, eine Beschwichtigungsfloskel, ein Beruhigungssignal an die Adresse der Kontrahenten?? Wobei ersteres, das schlechte Gewissen, ja begrüßenswert ist! Ein Hotelkolosskomplex im großen Stil mit insgesamt ca. 650 Betten, etlichen Nebengebäuden (Seerestaurant mit 520 Plätzen, 4 Seehäuser am Parkrand, Kinderwelt im Park) sollen am nordöstlichen Kellersee in die klein strukturierte, beschauliche Landschaft gemeißelt werden. Da tut schlechtes Gewissen not! Beruhigend zu hören, dass es wohl nicht 1:1 umgesetzt und noch Veränderungen, diese allerdings hoffentlich im großen Stil, geben wird!
„Insgesamt halten wir es aber für eine sehr gute Geschichte“. Warum „aber“? Ist es vielleicht doch keine 'gute Geschichte'? 'Eine gute (Nacht)geschichte als Stimmungsbeschreibung in der Bauausschusssitzung?
„Das ist eine absolute Chance und keine Katastrophe für Krummsee“. Wenn es eine 'absolute Chance' für Krummsee ist, warum dann noch durch die Ergänzung 'keine Katastrophe' klarstellen?
„Besser als Leerstand ist es allemal“. Was ist das?? Alles ist besser als der Status quo? Alles? Naturzerstörung in gewaltigem Ausmaß, verstopfte Straßen durch viel Verkehr und Wildparken, Mengen an unglücklichen Luxustouristen, die hier nicht wissen, was sie anfangen sollen und Anlieger und andere Touristen nerven...? Wenn es nur 'besser als Leerstand ist, kann es auch kleiner gebaut werden: halb so groß, das wäre wirklich besser!
Herr Redepenning macht sich jedenfalls seine Gedanken.
Diese Planung von H. Teherani sei wie „ein Ritterschlag“. (Bürgermeister H. Godow). Ein Ritterschlag, wie bekannt, war im Mittelalter (und ist bis heute bei den Royals) das Ritual einer Ehrung von Bürgern, die ihrem Umfeld und ihrer Gesellschaft in irgendeiner Form einen großen Dienst erwiesen haben. Wer wird hier geehrt? Die Gemeindevertreter?, Anwohner?, Touristen? Und womit? Mit dem Abriss der LVA-Ruine, das ist gut für Anwohner und die gesamte Region und voraussichtlich kostenfrei für die Gemeinde.
Doch dieser „Ritterschlag“ hat im Gegensatz zum traditionellen seinen Preis, und der steht in keinem Verhältnis zum Vorhaben: Fast 1,5 ha Wald werden vernichtet, jahrelanger Baulärm für alle Bewohner des Kellersees, verstopfte und kaputte Straßen, Vernichtung von Flora und Fauna.
'Die architektonische Grundidee sei eine fast logische Ableitung aus dem Landschaftsthema der Holsteinischen Schweiz, der Seenlandschaft und eine würdigende Vollendung des umgebenden Landschaftsgartens' so Godow. Ein fast 46000 m² Bruttogeschlossfläche-Bauwerk ist keine 'logische Ableitung' und schon gar keine 'würdigende Vollendung' der klein strukturierten Seenlandschaft, sondern eine kolossale Betonhaube versteckt hinter einer Holzverkleidung (hoffentlich aus nachhaltiger Holzwirtschaft!) mit gewaltigem Unterbau für 350 Fahrzeuge, die dem lieblichen 'Landschaftsgarten' übergestülpt wird, ohne Rücksicht auf Verluste. Laut Godow wird 'Gewerbeleerständen entgegengewirkt' , „Touristen kaufen in den allerseltensten Fällen vor Ort online ein“, und es werden junge Familien 'angelockt'. Der Leerstand wird kaum geringer, denn Touristen kaufen in diesem 'seltenen Fall' doch eher 'online' oder außerhalb Malentes, mangels Angeboten.
Familien werden für Jobs im Billiglohnsektor, und dazu zählt nun mal der Hotel- und Gaststättenbereich, kaum ihre Heimat verlassen wollen. 'Begleitende Infrastrukturmaßnahmen wie Wander- und Radwege' würden auch für die Anwohner von Nutzen sein. Bedarf es wirklich erst eines kolossalen Bauprojektes, um Wander- und Radwege einfach nur zu pflegen, damit sie nutzbar werden und bleiben? Eine Erweiterung lässt dieser 'Landschaftsgarten' einfach nicht zu.
Auch für H. Frahm (5-Seen-Fahrt) ist das Kriterium des Landschaftsgefüges ein Thema: Der Architekt habe sich dazu große Gedanken gemacht. Der jetzige Entwurf unterscheidet sich in vielen Kriterien von der ehemaligen Klinik. Gut, für derartige Feststellungen bedarf es keiner tiefgreifenden baulichen Kenntnisse.
J.Stockel (Wirtschaftsvereinigung Malente) vergleicht Gut Immenhof, von dem viele Tourismusbereiche (Handwerk, Dienstleistungen, Einzelhandel) profitieren mit diesem gigantischen Projekt. Niemandem in der Region kann die beharrliche Personalsuche der Tourismusbetriebe entgangen sein. 'Profitiert' davon dann auch das Lake Side Resort?
A.Rädel (Tourismus und Service GmbH) stellt ganz richtig fest, dass es hier ein „Leuchtturmprojekt dieser Größenordnung“ und „Strahlkraft“ noch nicht gegeben hat. In der Tat wird der Lichtkegel mit zwangsläufiger Lichtverschmutzung weit über den Kellersee sichtbar sein!
Gesundes Wachstum und zeitgemäße Angebote seien ...besonders wichtig. Leider wird nicht erwähnt, ob Rädel diesbezüglich konkrete Beispiele genannt hat. So bleiben ihre Aussagen neutrale, durchaus unterstützenswerte Feststellungen.
Keller (Tourismus-Chef Eutin) formuliert ähnlich sachlich zu den Aspekten Ökologie und Nachhaltigkeit, auf die 'moderne Hotelprojekte ...Wert legen müssten'. In der Tat ! „Das Vorhaben könnte als Vorbild für weitere Bauvorhaben dienen...“. Aber nur als abschreckendes Beispiel, um die 'Entwicklung der Holsteinischen Schweiz' in gemäßigtem, fortschreitenden Tourismus voranzubringen. Der „Tagestourismus in Eutin (werde sich) beachtlich steigern“. Durch Wellness-Touristen, die vorwiegend im Hotel bleiben, weil es mal wieder regnet? Durch Luxustouristen, deren Bedarf weder in Malente noch in Eutin, weder durch Shoppen noch durch Gastronomieangebote zufriedengestellt werden kann?
Rathjens (Hein-Lüttenborg Bahnstreckenverwaltungsgesellschaft) kommt auf den Punkt: hohes Verkehrsaufkommen. „Die Planer sollten die Schiene mitdenken“. Durch Reaktivierung der Strecke Malente-Nord könnten Urlauber, Tagesgäste und Pendler zwischen Krummsee und Lübeck pendeln. Eventuell, wenn die Züge pünktlicher, zuverlässiger werden und mit ausreichend Personal ausgestattet sind. Damit bleiben aber die hunderte zu erwartende Luxustouristen immer noch auf der Strecke!
So verharrt der Gemeindevertreter in allgemeinen Floskeln (es gibt Veränderungen, gute Geschichte, Chance, besser als Leerstand), der Bürgermeister versucht's mit Ehrfurcht (Ritterschlag) und Poesie ( Ehre, Würde,Vollendung des Landschaftgartens). Die Vertreter der Wirtschaft bleiben nüchtern, offensichtlich parteilos.
Einen 'Großen Zuspruch' für das Lakeside Resort in Malente/Krummsee kann ich nicht erkennen.
Falls auch für Sie noch wichtige Fragen offen sind, Sie sich von den Planungen in besonderer Weise betroffen fühlen oder einfach mal Ihre persönliche Sicht teilen wollen: Schreiben Sie uns.