Marie-Luise Matz | Krummsee | 25.5.2026
Vor einigen Wochen wurde hier bereits auf die 3sat-/ORF-Reportage „Bauruine statt Luxusresort“ hingewiesen. Die Dokumentation beschäftigt sich mit touristischen Großprojekten in Österreich und mit der Frage, was passiert, wenn große Versprechen auf wirtschaftliche Risiken, Baustopps oder fehlende Transparenz treffen. Viele der dort angesprochenen Themen erinnern auch an Diskussionen rund um das geplante Lakeside Resort in Krummsee. Einige Projekte im Vergleich...
Verkauf des Hotels Georgshof an einen Immobilienentwickler. Wurde 4 Jahre später wieder verkauft mit dem Ziel, die Größe zu verdoppeln. Mit manipuliertem Bildmaterial (gewaltige Bergkulisse im Hintergrund), soll das Projekt optisch kleiner wirken. Fehlende Parkplätze und Mitarbeiterwohnungen in der Planung lassen Anwohner vermuten, dass es vorrangig um den Bau von Luxusappartements und weniger um eine touristische Widmung geht. Anfragen an die Gemeinde werden kaum oder ausweichend beantwortet.
Parallelen zum Lakeside Resort in Krummsee:
Die Vermutung liegt nahe, dass das derzeitige Projekt in der geplanten Form gar nicht entstehen und nach erteilter Baugenehmigung weiterverkauft wird, denn es mangelt u.a. an genügend Parkraum, einer angepassten Infrastruktur, Mitarbeiterunterbringung. Anfragen von interessierten Bürgern werden kaum oder mit Verweis auf die ledigliche Vorläufigkeit des Projekts in Form von Skizzen beantwortet. Verfälschende Darstellungen (häufige Aufsicht der Spirale oder als Totale ohne Referenzen zu existierender Bebauung) verschleiern die wahren Dimensionen.
Angrenzend an ein Naturschutzgebiet (Hochmoor), soll ein Skiressort (77 Zi, 45 Appartements, 13 Luxuschalets inklusive E-Porsche für die Villenbesitzer entstehen. Es soll mit nachhaltigen Materialien und Firmen aus der Region gebaut werde. Nach bereits verzögerter Bauzeit führen finanzielle Turbulenzen und Streitigkeiten zwischen den
Geldgebern (und die Kündigung von Sponsoren) zu weiteren Verzögerungen. Die Lindnergruppe soll nicht mehr als Bank, sondern als Generalunternehmer fungieren. Eine politische Entscheidung wird wohl langfristig einen wirtschaftlichen Totalschaden verhindern. Das angedachte alpinistische Tourismuskonzept (ehemalige Gemeindevertreterin: ‚das Pseudoalpine‘) passt längst nicht mehr in diese Zeit (Klimawandel) und diesen Ort. So beklagen Anrainer die Gefahr von Murenabgängen und Überschwemmungen durch massive Rodungen.
Im Fall Rauris ist die Baugenehmigung für ein Chaletdorf auf der grünen Wiese schon längst erloschen, und eine Abbruchgenehmigung besteht bereits. Welch ein Verbrechen an Umwelt, Natur und gesellschaftspolitischer Fairness!
Parallelen zum Lakeside Resort in Krummsee:
Eine nachhaltige, regionale Bauweise wird auch hier proklamiert, ist aber bei der angestrebten Größe des Objekts mit 220 Einheiten, mehreren Restaurants und Rodung in großem Stil durch Baufirmen und Dienstleister aus dieser Region gar nicht machbar. Die proklamierte Belebung des Binnentourismus kann hier wegen fehlender Infrastruktur und fehlendem passenden Umfeld für Luxustouristen nicht gelingen.
Das Geschäftsmodell eines holländischen Immo-Entwicklers: Buy to let, kaufen um zu vermieten. Appartements werden unter dem Vorwand der wirtschaftlichen Doppelnutzung (Touristen und Eigennutzung), als Investorenmodell für Selbstnutzer hochpreisig (ca. 1000 €/m²) verkauft und zur Vermietung an eine Betreibergesellschaft übergeben. Die Unrechtmäßigkeit der Eigennutzung ist zwar durch ein Verwaltungsgericht bestätigt (Eigennutzung ist in Betreiberverträgen verboten), den finanziellen Schaden tragen dennoch in jeder Hinsicht die Privatkäufer, denn der Kaufpreis wäre über Vermietungen kaum reinzuholen, und der Wiederverkaufspreis ist dadurch massiv gesunken. Gebaut wurden die Appartements von der Firma Alpin Family GmbH, die 6 Mio. Euro Coronaförderung und 2 Mio. vom Land erhalten hat und 2025 auch in die Insolvenz geschlittert ist. Langfristig werden die Appartements wohl Zweitwohnsitze für Superreiche.
Parallelen zum Lakeside Resort in Krummsee:
Hier sind 227 Einheiten geplant, davon 52 FeWo und 76 Appartements für private Eigentümer. Mit der hohen Anzahl an Privatwohungen soll die Wirtschaftlichkeit sichergestellt werden. Fraglich ist, ob zu sehr hohen Quadratmeterpreisen Superreiche ins Binnenland gelockt werden können, wenn Infrastruktur und Umgebungscharakter fehlen und auch in einem solchen ‚Landschaftsgarten‘ (Begriff vom Bürgermeister der Gemeinde Malente) nicht ohne massive Naturzerstörung hergestellt werden könnten.
Das Lakeside Resort ist mit geplanten 227 Einheiten, 22000 m² Versiegelung, 15 ha Gelände (davon fast 1,5 ha vorgesehene Rodung) mit Abstand das größte der hier beschriebenen Projekte. Neben der wirtschaftlichen Fragwürdigkeit und der Sorge um eine städtebauliche Fehlplanung steht vor allem der Verlust des Ortscharakters im Fokus.
Als Investoren bzw. beim Lakeside Resort in Krummsee als Architekt "getarnte" Grundstücksentwickler verfolgen ihre Ziele mit kaum haltbaren Versprechungen zu Arbeitsplätzen, wirtschaftlichem Aufschwung für regionale Dienstleister und Baufirmen, verschleierten Gesetzesgrundlagen für Privateigentümer, der Nutzung umweltgerechter, regionaler Baumaterialien bei gleichzeitiger immenser Rodung bestehender Naturräume, mit kaum haltbaren Einnahmeversprechen für Gemeinden (Betreibersitz vor Ort, Steuern, lokale Wertschöpfung), denn Fachpersonal und Dienstleister müssen bei diesen Dimensionen zum großen Teil überregional rekrutiert werden. Wirtschaftlichen Risiken für Privateigentümer und Gemeinden stehen erhebliche Schäden an Umwelt und Natur gegenüber.
Denkanstöße für die Zukunft:
Falls auch für Sie noch wichtige Fragen offen sind, Sie sich von den Planungen in besonderer Weise betroffen fühlen oder einfach mal Ihre persönliche Sicht teilen wollen: Schreiben Sie uns.